Dieses MANIFEST DER SATTEN verteilte die volkstreue Jugend im Jahre 1963 (!) in großer Auflage. Die positiven Reaktionen waren Anlaß für das Buch REVOLUTION DER SATTEN von Konrad Windisch. Wir bitten um Ihr Urteil im Jahre 2003.
 
MANIFEST DER SATTEN
 

Wir sind satt. Wir haben genug zu essen, frieren im Winter nicht, besitzen mindestens zwei Anzüge, können uns bessere Zigaretten leisten, verwenden unsere Beine weniger zum Gehen als zum Gas geben und haben mehr Geld in der Tasche als jede Generation vor uns. Ihr habt uns den Bauch gefüllt
Wir wollen mehr!
Wir waren Kinder oder nicht geboren, als unsere Eltern aus Trümmern ein Heim schufen. Und wir haben den Eindruck, ihr wollt, wir würden immer Kinder bleiben. Gläubig und ahnungslos, lustig mit dem Spielzeug spielend, das ihr uns aus Chrom und Plastik in die Hand drückt. Ihr fordert uns auf mitzuarbeiten, Verantwortung zu übernehmen. Aber ihr wollt nicht, daß wir auch mitdenken, außer in jenen Bahnen, die ihr uns vorschreibt.
Ihr sagt uns nicht die Wahrheit!
Ihr redet von Idealen, ohne welche zu haben. Ihr redet von Demokratie und habt nur eines im Sinn: Die persönliche Macht oder die eurer Partei. Ihr nennt uns Halbstarke und seid selbst schwach. Ihr sprecht von Gott und meint damit Geld. Ihr sprecht von Volk und meint damit Partei, Klasse, Kammer oder Stand. Ihr sprecht von Grundsätzen und meint damit Kompromisse. Ihr sprecht von Toleranz und bezeichnet jeden Andersdenkenden als destruktives Element, Anti-Demokraten, Neo-Nazi oder Kommunisten. Ihr sprecht von der Herrschaft des Volkes und laßt es bestenfalls alle vier Jahre eine Partei wählen. Ihr ruft die Jugend zur Mitarbeit auf, aber die Voraussetzung ist das Parteibuch.
Ihr seid unglaubwürdig geworden!
Es ist nicht wahr, daß euch 90 Prozent der Bevölkerung vertrauen. Die eine Hälfte wählt Schwarz, weil sie Angst vor Rot hat und die andere Hälfte Rot, weil sie sich vor Schwarz fürchtet. Die meisten Menschen sind nicht f ü r eine Partei, sondern g e g e n die andere.
Die Idealisten, die ihr gelegentlich sucht, besonders in der Jugend, sind deshalb nicht vorhanden, weil ihr ihnen beigebracht habt, daß es idiotisch ist, sich für Dinge einzusetzen, die man nicht angreifen kann, oder die keinen Nutzen bringen. So habt ihr uns wohlhabender als die Generationen vor uns gemacht, im Grunde genommen aber viel ärmer.

ES GIBT NÄMLICH DINGE, DIE MAN NICHT KAUFEN KANN!
Die Frage: „Was habe ich davon?“ ist zwar sehr zeitgemäß, aber bei den wesentlichsten Dingen wurde sie nicht gestellt, zum Beispiel bei unserer Geburt.
DER MENSCH BESTEHT NICHT NUR AUS DEM BAUCH!

Die Vergangenheit ist für uns nur soweit interessant, als wir aus ihr lernen können. Und lernen können wir nur, wenn man uns über sie die Wahrheit sagt. Wir pfeifen auf die „Meinungsbildung“ durch Presse, Rundfunk und Fernsehen. Wir möchten uns selbst eine Meinung bilden. Wir möchten diese aber auch sagen, schreiben, diskutieren und wenn man uns eines Besseren überzeugt, sie zurücknehmen oder ändern können.

WIR SIND NICHT GLÜCKLICH!
Wir sind satt, motorisiert und gut angezogen – zumindest solange wir die Raten zahlen können. Aber fragt doch die Zwanzig- und Dreißigjährigen, ob sie glücklich sind! Fragt sie doch nach dem Sinn ihres Lebens! Ihr werdet kaum Antworten bekommen, die nicht mit Geld zu beantworten sind.

DARAN SEID IHR SCHULD!

Aber eines Tages wird diese Art zu leben endgültig Bankrott machen. Eines Tages werden die Satten mehr wollen als Brot. Sie werden Dinge verlangen, die zwar das Budget nicht belasten, die ihr aber trotzdem nicht geben könnt, weil ihr sie nicht besitzt.

EINES TAGES WERDEN DIE MENSCHEN NICHT NUR ESSEN, SONDERN AUCH DENKEN WOLLEN!

 

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